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Agamaur

An diesem Abend schrieb Faronthir in sein Tagebuch:

Anders als geplant wurde dieser Tag. Kaum aus den Toren der Feste Guruth getreten, wurde ich einer Person ansichtig, deren Gesichtszüge ich erkannte. Es war eben jene junge Frau, welche sich zur Eigenart gemacht hat, die Geschichten anderer umzudichten und ihnen neue Formen zu geben, mit dem Namen Lhin. Ihr zur Seite stand ein Mann, dessen Name wohl Farol lautet, ein agressives Exemplar der Gattung Mensch, mit einem vorlauten Mundwerk und keinem Respekt gegenüber der Länge und Farbe meines Bartes.

Ich fand seine Gegenwart auf eine seltsame Art erfrischend, auch wenn ich das eine oder andere Mal einen Anflug von Ärger verspürte. Es heißt “Nicht alles, was Gold ist, glänzt.” Und auch wenn ich diese Zeilen vielleicht einer anderen Person als diesem Farol zuordnen würde, so beinhalten sie doch eine tiefere Wahrheit. Mein Interesse ist jedenfalls geweckt.

Die restlichen Bilder des Tages gleiten schneller an mir vorbei, als dass ich sie festhalten und niederschreiben könnte. Sümpfe mit roten Wasser, aufgedunsene Leiber der Untoten, seltsame Geistwesen, üble Menschen und am Ende dieser *hier verändert sich die Schrift ein wenig* furchtbare Baum, wie einige der Bäume aus dem alten Wald, nur finsterer, böser. Er ging mit Bienenschwärmen und seinen Wurzeln gegen uns vor, doch schließlich obsiegten Bogen, Laute und Stab.

Selten war ich so müde wie nach diesem Kampf. Hier war es, dass wir beschlossen, nicht mehr weiter zu ziehen. Es gelang Farol, uns sicher und schnell zur Feste Guruth zu leiten. Hier schreibe ich nun noch diese letzte Zeile, bevor ich mich zur Ruhe begebe.

(Quelle)

Studierfrust

“Bei meinem Bart!” Mit allen Anzeichen der Frustration schmiss Faronthir die Schreibfeder quer durch den Raum. Die Spitze fand genau den Riss in einem der Balken, welche das Dach stützten, und die Feder blieb stecken.

Der alte Mann begann nun, vor seinem Schreibpult hin und her zu wandern. Der ohnehin schon mitgenommene Teppich wurde dabei noch stärker ausgetreten. Es gab schon eine regelrechte Schneise, in der von den ursprünglichen Farben und Mustern nichts mehr zu erkennen war.
Schließlich ging Faronthir hinüber zu einem kleinen Tisch und nahm sich von dort Pfeife und Tabaksbeutel. Mit Hingabe stopfte er die Pfeife und entzündete sie wenig später. Dann setzte er seinen Marsch durch das Zimmer fort, jetzt eine Wolke aus Rauch hinter sich herziehend.

Archo, der Rabe, hatte oben auf einem Schrank gesessen und sich mit ausgiebig das Federkleid geputzt. Durch Faronthirs plötzlichen Ausbruch neugierig gemacht, saß er nun vorne auf der Kante des Schrankes und blickte mit schief gelegtem Kopf auf seinen Herrn herunter. Immer dann, wenn Faronthir unter dem Schrank vorrüber kam, gab der Vogel eine täuschend echte Imitation eines menschlichen Hustens von sich. Er konnte die Qualmerei nämlich nicht leiden, müsst Ihr wissen.

Faronthir bekam das nicht mit, er brummelte die ganze Zeit vor sich hin. “Kann doch nicht so schwer sein… Hab’ noch immer alles ‘rausbekommen…” Jetzt begann er auch noch, mit den Händen herumzufuchteln. “So viel gelesen, so viel studiert, ist ja peinlich…”

Dann, als hätte er plötzlich einen Entschluss gefasst, ging er forschen Schrittes in Richtung Türe, öffnete sie und ging hinaus. Kurz danach kam er wieder herein, zog sich erst mal die Stiefel an, schnappte sich seinen Hut und seine Angel, verließ das Haus und schloss die Türe hinter sich, nur um sie direkt wieder zu öffnen und in Archos Richtung zu rufen: “Wie ist es nun? Kommst du mit?”

Natürlich kam er mit.

(Die Geschichte findet hier eine Fortsetzung)

Aus dem Notizbuch

An diesem Abend schrieb Faronthir mit schön geschwungenen Zeichen in sein Tagebuch:

Die Sippe Sonnenwind erscheinet mir angenehm, indess sie durch ihre Thaten und ihr Reden einen anderen Eindruck ghebet, als ich bevordem zu erkennen in der Lage wart. Sie befleißigten sich untereinander eines Thones, welcher mich abermalig zum Heben meiner Brauen bringet. Ich muss jedoch gestehen, daß es mein Herze erfreuet, in diesen Zeiten des Dunkels noch derlei Quellen des Lichtes zu gewahren. Nun bin ich umhergetrieben mit dem Gedanken an meinen Mentor. Von welcher Art wird er sein?

Darunter befindet sich noch ein Nachtrag, der interessanterweise mit weniger Sorgfalt und einem etwas anderen Tonfall niedergeschrieben wurde.

Archo hat mich beinahe wieder blamiert. Eines Tages werde ich ihn vielleicht doch rupfen und in die Suppe thun.

Nichts ist…

Schön sind die Länder der Elben,
großartig die Städte der Zwerge,
beeindruckend die Werke der Menschen,
doch nichts tut dem Herze so gut
wie die Länder der Hobbits,
des kleinen Volkes.

Gestern hat mich eine Aufgabe quer durch die Lande geschickt, von Esteldin in den Nordhöhen über Bree und Hobbingen bis zu den Ered Luin. Es war eine lange Reise, und viele großartige und beeindruckende Dinge waren am Wegesrand zu sehen. Aber nur im Auenland fühlte ich mich richtig Wohl. Es stimmt wohl, was Gandalf sagt - jeder sollte einen Hobbit bei sich haben, denn durch sie besinnt man sich wieder auf die einfachen (und eigentlich wichtigeren) Dinge des Lebens.

Die Nordhöhen

Die Nordhöhen… eine Landschaft, so schön und doch so traurig. Ich habe die letzte Woche hier verbracht, bin den Leuten aus Schragen zur Hand gegangen und habe Aufgaben für die Ranger in Esteldin erledigt.

Tatsächlich leben hier noch Menschen und auch einige Elben, unter der ständigen Bedrängis durch Orks und Bilwisse. Und in einigen Regionen treiben sich noch weit schrecklichere Kreaturen herum, Geister der Eidbrecher und riesige Warge. Es ist ein Land der Gegensätze. Man streift durch eine Region, die duster und furchteinflößend ist, und einige Minuten später scheint sich die Landschaft zu verändern. Die Sonne kommt durch, der Boden ist von grünem Gras bedeckt, die Blätter in den Bäumen rascheln und tatsächlich, ein Stück

weit entfernt drehen sich die Flügel einer Windmühle.

Ich werde wohl noch einige Zeit hier zubringen. Vielleicht schaffe ich es, einmal eine Zeichnung zu erstellen.

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Faronthir Naratas

Skraawk!

Der große, schwarze Rabe krächzte missmutig, legte den Kopf schief und starrte von dem Regal, auf dem er saß, auf den Mann unter ihm herunter. Dieser lag mit dem Kopf auf dem Tisch, die Arme seltsam verdreht seitlich neben sich liegend, mit einer Hand in einer kleinen Pfütze Tinte. Er hatte sich gestern über Stunden hinweg völlig in einige Schriftrollen vertieft und schien die Welt um sich herum völlig vergessen zu haben. Und wahrscheinlich war das auch so.

Man konnte Faronthir vieles nachsagen, aber wenn man ihn als “zerstreut” bezeichnen würde, dann wäre das die Untertreibung dieses Zeitalters. Wenn er sich morgens nach dem Aufstehen anzog, dann war es nicht ungewöhnlich, wenn er 2 verschiedene Socken an den Füßen trug oder den linken und den rechten Stiefel vertauschte. Vor einigen Jahren gab es diese Begebenheit, als eines morgens völlig vergaß, sich anzuziehen und dann splitternackt… aber das gehört nicht hierher.

Letzte Nacht war wieder so ein Fall gewesen, wo Faronthir schlicht vergessen hatte, dass man sich des Nachts hinlegt. Aber ein menschlicher Körper verlangt früher oder später sein Recht, und so war er mitten im Lesen eingeschlafen, mit dem Kopf auf dem Tisch. Jetzt schreckte er hoch. “Nein, Sire, ich denke nicht dass… erhem. Erm. Was… Oh, Archo. Ich… wo… Ahja.” Er fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht und bemalte sich dabei mit der Tinte. Es sah ein wenig wie Kriegsbemalung aus. Archo schwang sich elegant vom Regal herunter und segelte das kurze Stück hinüber zum Fenster, wo er an einem der Vorhänge zerrte, um Tageslicht eindringen zu lassen.

“Ah! So früh ist das noch! Und ich dachte schon, ich hätte mal wieder die ganze Nacht durchgemacht. Dann kann ich ja noch ein wenig weiterarbeiten.”

Selten hatte jemand einen Raben so abgrundtief stöhnen hören.

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