Skraawk!
Der große, schwarze Rabe krächzte missmutig, legte den Kopf schief und starrte von dem Regal, auf dem er saß, auf den Mann unter ihm herunter. Dieser lag mit dem Kopf auf dem Tisch, die Arme seltsam verdreht seitlich neben sich liegend, mit einer Hand in einer kleinen Pfütze Tinte. Er hatte sich gestern über Stunden hinweg völlig in einige Schriftrollen vertieft und schien die Welt um sich herum völlig vergessen zu haben. Und wahrscheinlich war das auch so.
Man konnte Faronthir vieles nachsagen, aber wenn man ihn als “zerstreut” bezeichnen würde, dann wäre das die Untertreibung dieses Zeitalters. Wenn er sich morgens nach dem Aufstehen anzog, dann war es nicht ungewöhnlich, wenn er 2 verschiedene Socken an den Füßen trug oder den linken und den rechten Stiefel vertauschte. Vor einigen Jahren gab es diese Begebenheit, als eines morgens völlig vergaß, sich anzuziehen und dann splitternackt… aber das gehört nicht hierher.
Letzte Nacht war wieder so ein Fall gewesen, wo Faronthir schlicht vergessen hatte, dass man sich des Nachts hinlegt. Aber ein menschlicher Körper verlangt früher oder später sein Recht, und so war er mitten im Lesen eingeschlafen, mit dem Kopf auf dem Tisch. Jetzt schreckte er hoch. “Nein, Sire, ich denke nicht dass… erhem. Erm. Was… Oh, Archo. Ich… wo… Ahja.” Er fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht und bemalte sich dabei mit der Tinte. Es sah ein wenig wie Kriegsbemalung aus. Archo schwang sich elegant vom Regal herunter und segelte das kurze Stück hinüber zum Fenster, wo er an einem der Vorhänge zerrte, um Tageslicht eindringen zu lassen.
“Ah! So früh ist das noch! Und ich dachte schon, ich hätte mal wieder die ganze Nacht durchgemacht. Dann kann ich ja noch ein wenig weiterarbeiten.”
Selten hatte jemand einen Raben so abgrundtief stöhnen hören.
