Die Nacht war über diesen Teil der Welt gezogen, einem Waldstück nicht weit von Bree entfernt. Auf einer Lichtung in eben jenem Wald brannte ein kleines Lagerfeuer. Es war gerade groß genug, um einen leichten Schimmer auf die Gestalt zu werfen, die sich davor niedergelassen hatte.
Der Mann saß auf überkreuzten Beinen, hatte die Arme locker auf den Knien liegen und war so still, dass er nicht einmal zu atmen schien. Seine Augen waren geschlossen. Die Haut des Mannes war dunkel, und dunkel waren sein Haar und sein Bart, die beide wirkten, als wären feine Fäden von Silber in ihnen verwoben. Insgesamt machte der Mann einen gepflegten Eindruck, Haare und Bart waren säuberlich gestutzt und seine Kleidung reinlich, wenn man einmal von dem Staub einer Reise absah. Neben ihm, auf der Erde, lag ein einfaches Schwert, daneben eine Axt.
Nicht weit von dem Mann stand ein Pferd. Es hatte den Kopf gesenkt und schien zu dösen. Angeleint war es nicht, Sattel und Zaumzeug lagen an der Erde neben dem Feuer. Der Mann schien sich ganz und gar auf die Treue seines Tieres zu verlassen. Dann hob das Pferd langsam den Kopf und wandte den Blick unter die Bäume. Seine Ohren spielten einen Augenblick, dann schnaubte es leise und ließ den Kopf sinken, als wäre nichts weiter geschehen. Über die Lippen des Mannes huschte die Andeutung eines Lächelns, welches aber sofort wieder verschwand.
Und nun kamen sie. Zunächst trat einer auf die Lichtung, ein untersetzter, grobschlächtiger Kerl, der sich so bewegte, als gehöre dies Land ihm. Ein zweiter folgte, dann ein dritter und ein vierter, die auch keinen vertrauenerweckenden Eindruck machten. Ein fünfter blieb unter den Bäumen stehen, mit einem Bogen in der Hand. Die Vier bauten sich in einem Halbkreis vor dem Mann auf und blickten mit höhnischen Gesichtern auf ihn herunter. Aber er reagierte nicht.
Schließlich sprach der Untersetzte, der wohl der Anführer war.“Na, wen haben wir denn da? Hat sich Eure Lordschaft verlaufen? Da hat er aber Glück gehabt, dass er auf uns getroffen ist. Gegen eine kleine Gebühr können wir da sicherlich aushelfen.“ Er hatte mit vor Hohn triefender Stimme gesprochen, aber wenn er auf irgendeine Reaktion gehofft hatte, wurde er enttäuscht. Der Mann hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt.
„Oh, so ist das also. Der Herr findet sich zu fein, um mit uns zu reden. Was haltet Ihr davon, Jungs? Das muss noch einer von diesen ganzen Fremden sein, die in unsere Gegend kommen und sich hier wichtig machen. Sollen wir ihm einmal zeigen, was wir von solchen Leuten halten?“ Der Kerl und seine beiden Begleite feixten und näherten sich einige Schritte. Dabei entdeckte der Wortführer die Waffen des Mannes, trat einen Schritt näher heran, und wollte sich bücken, um sie aufzuheben.
„Rühre sie an, und du bekommst sie zu schmecken.“
Die Worte wurden leise gesprochen, und als der Anführer der Gruppe aufblickte, war das Gesicht des fremden Mannes noch genau so unbewegt wie zuvor und seine Augen waren weiterhin geschlossen. Ein kurzer Blick in die Gesichter seiner Begleiter verriet dem Anführer, dass er sich die Worte nicht nur eingebildet hatte. Sein Gesicht verfinsterte sich. „Habt ihr das gehört Jungs, jetzt reicht es aber. Zeigen wir diesem Kerl einmal, was wir von Leuten seines Schlages halten.“ Sie traten noch näher heran und zogen ihre eigenen Waffen. Der Mann schlug die Augen auf und seufzte leise. In einer einzigen, geschmeidigen Bewegung griff er nach seinen Waffen und stand auf. Einen Moment später hatte er die Axt auf die Reise geschickt, die sich mit einen dumpf-feuchten Geräusch in die Brust des Bogenschützen grub. Dann sang seine Klinge. Zwei Minuten später war alles vorbei.
Eine Geschichte, die mir einfiel und getippt werden wollte. Einen Bezug zu einem IC existierenden Char gibt es nicht.