Carn Dûm, was für ein furchtbarer Ort. Schon von außen kann es selbst dem mutigsten Wesen mulmig werden, aber erst von innen…
Obwohl nun schon die Nacht und einige Stunden mehr vergangen sind, seit dem wir diesen Ort wieder verlassen haben, verspüre ich immer noch dieses Grauen. Doch mein derzeitiger Aufenthalt in Bruchtal, wo ich diese Zeilen schreibe, hilft mir über das Schlimmste hinweg. Aber vielleicht sollte ich vorne anfangen.
Leonia, ihres Zeichens Herrführerin und Mitglied Sonnenwinds, hatte den Auftrag, etwas aus Carn Dûm zu beschaffen, unter dem ich mir nicht wirklich etwas vorstellen konnte. Irgendeine Art von speziellem Schlamm. Gerade die Tatsache, dass ich mir bei aller Liebe keinen Grund vorstellen konnte, wofür man ausgerechnet irgendeine Art von Schlamm aus diesem verfluchten Ort benötigte, brachte mich dazu, meine Hilfe anzubieten.
Ich war bereits einmal hier, in den äußeren Bezirken, doch heute trat ich das erste Mal durch das große Tor. Außer mir hatten sich noch Farol und Lhin, sowie Tanandra und Silbion der Gruppe angeschlossen. Es war… es fällt mir schwer, das Geschehen korrekt wiederzugeben. Überall waren Orks und Trolle, unglaublich viele Trolle. Und wieder einmal musste ich mich über diese Gruppe wundern, die sich Sonnenwindler nennt.
Trotz fehlendem militärischen Hintergrund schafften wir es, uns durch die Reihen der Gegner zu kämpfen. Oh, Sonnenwind, mögest Du einst nach Gondor kommen…
Die Reise war schon von einem ersten Erfolg gekrönt, als es und gelang, einige Sklaven zu befreien. Ich sah Menschen, Zwerge und Elben unter den Gefangenen. Dabei möchte ich nicht wissen, zu welchem Zweck man sie dort gefangen hielt.
Farol, der die Gegend anscheinen schon von früheren Besuchen kannte, führte uns schließlich unter die Erde. Nach meinen Besuchen in Moria hatte ich eigentlich gedacht, dass ich mir nicht mehr so viel aus dunklen Gängen und Höhlen machen würde, aber in Moria habe ich nie so etwas erlebt wie hier. Überall war dieses grünliche… nun, Wasser ist wohl nicht der richtige Ausdruck. Ich sah, wie eine Ratte, durch uns aufgeschreckt, mit ihrem Schwanz kurz die grünlich schimmendet Flüssigkeit berührte. Sie zuckte einige Male krampfhaft, dann war sie tot. Natürlich zogen wir eine Lehre daraus.
Nach Stunden, wie es schien, gelangten wir in eine große Höhle. Von unserem Standort aus, einem am Rand der Höhle entlanglaufenden Felssims, fiel unser Auge auf eine Art See, der komplett mit dieser grünlichen Flüssigkeit gefüllt war. Außerdem waren da am Ufer seltsame Tentakel, die bei einige von uns an die Tentakel vor den Minen von Moria erinnerten. Und dort mussten wir herunter.
Ich dachte zunächst, der zu besorgende Schlamm wäre bei diesen Tentakeln zu finden. Wir besprachen unsere Taktik. Rund um den See gab es große Säulen. Wir wollten von Säule zu Säule laufen, und aus deren Deckung zuschlagen. Und das hätte vermutlich auch gut funktioniert, wäre nicht plötzlich dieses… dieses DING aus dem Wasser aufgetaucht. Hatte ich die Tentakel zuvor noch für eine Art eigenständiges Lebewesen gehalten, wurde ich nun eines besseren belehrt. Tatsächlich waren es die Greifarme der Kreatur in der Mitte des Sees. Und mit diesen Armen riss sie die Säule, hinter der wir standen, einfach um. Doch das Biest hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Tanandra nutzte die in den See gekippte Säule einfach wie einen Steg, um an das Monstrum zu gelangen, und drosch mit ihren Äxten auf den großen Kopf ein. Gleichzeitig verschossen Farol und Silbion Pfeil auf Pfeil, während Lhin und ich versuchten, die Gruppe vor Schaden zu behüten. Und tatsächlich, wir siegten, und wir fanden, wonach wir gesucht hatten!
Ich weiss nicht, wie wir wieder dort herausgekommen sind, so müde war ich. Ich stolperte einfach hinter den Anderen her, und irgendwann gelangten wir an ein Lager, wo wir eine Rast einlegen konnten. Ich bin froh, dies Abenteuer erlebt zu haben, doch hoffe ich nun auf einige Tage der Ruhe. Schließlich bin ich so jung nicht mehr.