Wunderbares Lothlórien, Elbenreich, Heimat der Galadhrim… Nach den langen Tagen in der Düsternis Morias ist die Erleichterung, endlich wieder nur den Himmel und einige Blätter über dem Kopf zu haben, unbeschreiblich. Selbst das von Orks durchstreifte und verheerte Schattenbachtal war schon eine Erleichterung, doch dieser Wald, dieser so unbeschreiblich alte Wald…
Es ist so, wie es mir bereits beschrieben wurde. Tatsächlich scheint hier die Zeit still zu stehen. Das Gefühl, hier unter einem der großen Bäume zu sitzen, ist einfach erhebend. Während ich diese Zeilen schreibe, lehne ich mit dem Rücken an einem der dicken weißen Stämme, hoch über mir ein Dach goldener Blätter. Hin und wieder hört man irgendwo dort oben eine Stimme singen, was gewöhnlich aus einer anderen Richtung beantwortet wird. Die Elben hier nennen diese auf und in die Bäume gesetzten Plattformen Talan. Einige sind tatsächlich nur einfache hölzerne Plattformen, besonders an den Rändern des Waldes, wo sie von den Wachen besetzt sind. Auf größeren Bäumen sind regelrechte Häuser erbaut. Erst, wenn man das einmal genau gesehen hat, macht man sich eine Vorstellung über die eigentliche Größe dieser Bäume.
Dabei war es zunächst gar nicht einfach, den Wald zu betreten. Ich musste erst verschiedene Aufgaben erledigen, quasi um mich des Zugangs würdig zu erweisen. Das habe ich allerdings gerne getan, und nachdem ich die Schönheit dieses Landes gesehen habe, kann ich die Vorsicht der Galadhrim gut verstehen. Und doch ist es hier nicht völlig sicher. Erst vor wenigen Stunden brachten die Wächter eine kleinere Gruppe Orks auf, die sich irgendwie über den Fluss, oder an dessen Ufer entlang, tiefer in den Wald gewagt hatten. Bei ihrem Weg durch Moria haben Gandalf und seine Gefährten in ein Hornissennest gestochen. Was auch immer es ist, die Orks sind hinter irgend etwas her, und ihre Gier – oder auch ihre Verzweiflung – ist so groß, dass sie auch vor den Pfeilen der praktisch unsichtbaren Wächter Lothlóriens nicht zurückschrecken.
Mithin glaube ich, glücklich sein zu können, dass ich dieses Land noch so vorfinden durfte. Mein Gefühl sagt mir, und das ist mit einem Gefühl großer Trauer verbunden, dass sich die Zeit Lothlóriens ihrem Ende nähert. Sollte die große Aufgabe gelingen, wird die Macht der Elben, und damit auch Lothlórien, vermindert und schließlich dahinschwinden. Und sollte sie scheitern… darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken.
Ich hatte das große Glück und Vergnügen, einige Worte mit Herrn Celeborn und Frau Galadriel wechseln zu können. Dabei kam ich mir vor wie ein kleiner Junge, der vor die Eltern zitiert wird, nachdem er irgendwelchen Unsinn angestellt hat. Herr Celeborn ist unglaublich weise – das ist, glaube ich, die beste Beschreibung. Und Frau Galadriel… Ich weiss nicht, es fällt mir nicht das richtige Wort dafür ein. Sie sieht dir an deinen Augen vorbei direkt in das Herz. Wir hatten nicht mehr als einen Blick gewechselt, und doch hatte ich das Gefühl, sie würde mich schon seit Jahren kennen. Und als sie ihre Stimme erhob… ich will verdammt sein, wenn das nicht die gleiche Stimme ist, die ich seit einiger Zeit in meinen Träumen höre.
Ich werde noch einige Zeit hier verbringen. Dabei wird es schwer werden, die Zeit nicht aus den Augen zu verlieren, denn hier vergeht sie anders.
Wie immer, ein schöner Text. Danke.