„Nein, also. Nein. Was diese Menschen so treiben, es ist doch nicht zu glauben. Entführen ihre eigenen Kinder! Also, nicht die eigenen, Kinder vom eigenen Volk, sollte ich wohl sagen. Egal! Es ist einfach unglaublich!“
Mornur saß zusammen mit Faronthir vor dessen Haus und schilderte ihm die Geschichte, die er erlebt hatte.
„Das war einfach furchtbar. Leute aus der Siedlung haben bei Sonnenwind vorgesprochen, weil viele ihrer Kinder verschwunden waren, und sie hatten Angst. Wir haben uns dann ein wenig umgehört. Da ist dieser Kerl, Norbert. Was für ein Name!“ Der Zwerg lachte polternd.
„Na, egal, dieser Norbert jedenfalls hat uns einiges und auch nichts sagen können. Immerhin kamen wir darauf, dass wohl viele Kinder verschwunden sind, während sie sich in der Nähe vom Chetwald aufgehalten haben. Ein paar sind wohl auch aus ihren Betten verschwunden, aber dieses Stück Wald da war so etwas wie eine Gemeinsamkeit, also sind wir da hin. Ein paar Menschen, Elben, Hobbits und der Herr Throimlin, seines Zeichens ein Zwerg so wie ich.
Wir sind dann in diesen Wald, und dann ist da ja auch so etwas wie eine Ruine. Haben den Kerlen dort erst einmal so richtig die Hintern versohlt, das kann ich dir sagen. Fielen um wie die Fliegen, hatten uns aber nichts zu sagen. Wir wollten schon enttäuscht einen anderen Weg einschlagen, als wir auf diese Leute trafen, zwei Frauen, die ein Kind an einem Seil mit sich führten. Der Knirps hatte sogar ein Tuch vor dem Mund!“ Die Miene des Zwergs verfinsterte sich.
„Die Frau mit dem Kind an der Leine wollte sich direkt aus dem Staub machen, während die andere wohl direkt blank gezogen hat. So wie ich gehört habe, hat die es allerdings bitter bereut und vermodert nun irgendwo. Egal. Ich bin jedenfalls hinter dieser Frau mit dem Kind her und habe sie gestellt. Auf kurzen Strecken bin ich nicht zu schlagen! Throimlin und ich haben sie dann in die Mangel genommen. Ein äußerst schlauer Kopf, dieser Throimlin.“
„Die Frau hat doch tatsächlich behauptet, sie führe das Kind spazieren, er hätte die Tollwut, und darum dürfe sie ihn nicht frei herumlaufen lassen. Und das Tuch wäre nur da, damit nicht jeder den Schaum vor seinem Mund sieht! Den Schaum! Ich weiss ja nicht, wer die Frau jetzt war – habe sie nicht mal nach ihrem Namen gefragt – aber sie konnte überhaupt nicht lügen. Was ja auch irgendwie für sie spricht.“ Er wedelte mit einer Hand, wie um den letzten Gedanken zu zerstreuen. „Jedenfalls haben wir die beiden voneinander getrennt, und natürlich war es nicht ihr Kind. Wir zwei haben ihr dann ordentlich Angst gemacht, was gar nicht so schwer war, hatten wir doch eine Mordswut im Bauch. So nach und nach haben wir wohl ihren Willen gebrochen, und sie erzählte uns etwas von Schragen und einem Kerl, der da die Kinder annahm – sie tat das alles für Gold. Für Gold! Und uns Zwerge nennt man gierig! Nicht für alles Mithril der Welt würden wir unseren Kindern so etwas antun!“
Mornur war sichtlich erregt, und Faronthir bot ihm zunächst einen Krug Bier an, um sich abzukühlen. Das nahm der Zwerg gerne an. „Auch zwei oder drei, wenn es genehm ist. Ich werde wohl noch öfter in Rage geraten.“ Nach einer Weile erzählte er dann weiter.
„Jedenfalls haben wir das dann auch den anderen gesagt. Inzwischen war so ein Kerl aufgetaucht und hatte noch eines der Kinder dabei – aber angeblich hat der das Kind irgendwo gerettet… Da musst du dich bei den Anderen erkundigen, Herr Far0nthir, das habe ich nicht so mitbekommen. So oder so ging es dann nach Schragen. Ich blieb mit der Gefangenen vor dem Tor – durfte die ganze Zeit den Aufpasser für das Miststück spielen, was für ein Freude. Die sprach die ganze Zeit von freilassen und sie sei doch ganz brav und so. Furchtbar, keinen Funken Anstand oder Ehre im Leib! Ich weiss nicht wie, auch das musst du dann noch einmal die Anderen fragen, auf jeden Fall gingen wir dann über diese große Brücke nach Norden, in dieses furchtbare Gebiet, wo sich diese Geister herumtreiben, diese Eidbrecher. Was wir da erlebt haben, braucht erst noch einmal einen Krug Bier.“
„Wir fanden da so etwas wie eine Opferstätte. Ich sage dir, so etwas habe ich noch nie gesehen. Ein Haufen Leichen, Männer, Frauen, Kinder… Ich bin nun wirklich nicht zimperlich, aber das war dann doch zu viel. Und mittendrin diese Spinner! Die waren gerade dabei und wollten noch ein Kind abschlachten! Vor unseren Augen! Und sie fanden das ganz richtig und normal so! Ich habe gedacht, gleich platze ich. Wir sind dann dazwischen, und am Ende waren diese Mistkerle selber die Opfer. Geschah ihnen nur recht. Hoffentlich landen sie irgendwo, wo sie richtig schön vor sich hinleiden müssen…“ Mornur hob wie abwehrend die Hände. „Ja, so soll man nicht reden, aber du warst nicht dabei. Du hast es nicht gesehen. Eine gewisse Befriedigung war es, das Gesicht dieser Frau zu sehen, die ich immer mit mir herumgeschleppt habe. Da ist ihr wohl erst klar geworden, welches Schicksal die Kinder erlitten haben, die sie dort abgeliefert hat. Daran wird sie den Rest ihres miserablen Lebens zu knabbern haben.“
„Und da war noch dieses kleine Mädchen, das vor unseren Augen wegstarb… Ich habe mich abgewandt, sowas kann kein Zwerg aushalten. Ich bin los und habe einige dieser Unholde in der Umgebung von ihrem Schicksal erlöst… Weiss nicht, was sonst noch geschah, musst die Anderen fragen…“
Der Zwerg schwieg sich nun aus und trank still sein Bier. Faronthir wusste, dass er ihn seinen Gedanken überlassen musste und schwieg ebenfalls.
Hm. irgendwie war der alte Stil hübscher.
Hmmtja. Bin mir noch nicht sicher. Ich finde dieses Design herrlich übersichtlich, und auch die Farbauswahl ist irgendwie angenehmer (grün!).
Was mir fehlt ist allerdings das Bild oben drüber. Entscheidungen, Entscheidungen…