Faronthir lag auf seinem improvisierten Lager und schlief unruhig. Sein Traum war wirr, Schatten jagten ihn, wiederliche Fratzen verhöhnten ihn und um ihn herum war lautes Jammern und Kreischen.Über allem lag eine Art Summen, das sich wie ein roter Faden durch den Traum zog. Manchmal glaubte Faronthir, in dem Summen eine Stimme zu hören, die zu ihm sprach, ohne dass er die Worte verstehen konnte. Aber sicherlich hätte er die Worte nicht besonders gemocht.
Wie so oft in letzter Zeit wusste Faronthir genau, dass er sich in einem Traum befand, auch wenn dies keinerlei Einfluss auf den Ablauf des Traumes zu haben schien. Außerdem schien es ihn daran zu hindern, einfach aufzuwachen. Jahre schienen zu vergehen, er hatte das Gefühl, als läge ihm ein gewaltiger Felsbrocken auf der Brust und würde ihn langsam zerquetschen. In der realen Welt warf der alte Mann sich hin und her, und Schweiß ließ sein langes Haar in Strähnen an seinem Kopf kleben.
Achas, die sich inzwischen bei ihm aufhielt, lag in der Nähe des Eingangs. Sie hatte den Kopf erhoben und blickte zu Faronthir hinüber, näherte sich ihm aber nicht. Sofern man bei einer Katze ihrer Art davon reden konnte, sah sie besorgt aus.
Faronthir in seinem Traum erlitt seine eigene persönliche Hölle. Er sah die Gesichter seiner Eltern, seine so gütige Mutter, die ihn mit einem Ausdruck unglaublichen Hasses anstarrte und ihm Worte an den Kopf warf, die er von ihren Lippen nie gehört hatte. Da war sein Vater, eigentlich streng aber gerecht, der ihn mit dem Stiel einer Mistgabel traktierte. Er sah sie älter werden, sah ihre Gesichter einfallen und verfaulen, und immer noch schrien sie ihn an.
Plötzlich schien er zu fliegen. Er schwebte vor dem Tor des untersten Rings von Minas Tirith, sah Unmassen von Orks vor sich, auf den Feldern des Pelenor. Sie brüllten ihre Herausforderung hinaus, gegen die Stadt, gegen die Menschen, gegen ihn. Der Himmel war finster, bedeckt von einer riesigen schwarzen Wolke, die aus dem Osten zu kommen schien. Der Anblick ließ sein Herz rasen.
Doch mit einem Mal spürte er wieder diese Präsenz hinter sich. Unfähig sich herumzudrehen, spürte er eine Hand auf seiner Schulter, und die Stimme einer Frau sprach „Wende dich ab. Sieh das Licht.“
Die Hand griff seine Schulter und dreht ihn herum, so dass er nun die Stadt vor sich sah. Weit oben, auf der Plattform des obersten Rings, stand eine Gestalt, und Licht ging von ihr aus, so hell, dass Faronthir das Gesicht nicht erkennen konnte, doch es schien ein Mann zu sein und er trug eine Krone. Der Mann reckte eine Hand in den Himmel, und in der Hand war ein Schwert. Ein Strahl weissen Lichtes fuhr aus der Klinge und zerteilte die Wolken. Sonnenlicht flutete hindurch. Abermals wurde Faronthir herumgedreht, und wo das Licht die Erde berührte, sah er die Horden des Feindes verbrennen, bis nicht einmal mehr Asche zu sehen war.
Wieder sprach die Stimme zu ihm. „Dunkelheit ist in dir. Du musst dich abwenden. Kehre zurück zu den Anderen. Sie werden deine Hilfe brauchen, so wie du ihre Hilfe brauchst.“
Dann erwachte Faronthir und setzte sich auf. Mit zitternder Hand wischte er sich eine Strähne feuchten Haares aus der Stirn. Sein Blick fiel auf Achas, die ihn neugierig ansah.
„Wir gehen.“