Es ist geschafft. Ich weiss immer noch nicht so genau, wie und warum, aber es ist geschafft.
Eine seltsame Geschichte. Nach meinem Traum rappelte ich mich auf, um zu den Anderen zu gehen. Doch unterwegs kam mir der Gedanke, dass ich besser erst einmal zu meinem Haus gehen sollte. Ich sah eher verboten aus in meiner zerschlissenen und verdreckten Kleidung. Mein Haus in der Siedlung Falathorn lag leer und verlassen da. Kein Tier war in der Nähe zu sehen, und das tat mir in der Seele weh.
Ich wusch mich und nahm mir frische Kleidung. Die ganze Zeit über fühlte ich mich unwohl und nervös. Beständig hatte ich dieses Summen in meinem Kopf, dieses nagende Gefühl. Ich kann es nicht richtig beschreiben.
Als ich am Sippenhaus ankam, hielten sich dort schon einige andere auf. Achas an meiner Seite knurrte. So kannte ich sie gar nicht. Aber anscheinend konnte sie die Gegenwart dieser verfluchten Steine spüren, die einige bei uns trugen. Denn Steine waren es, Edelsteine. Es ist seltsam, dass ich jetzt so frei und problemlos darüber schreiben und reden kann. Jedenfalls wurde ich selbst auch nervöser und nervöser. Mein Magen spielte verrückt. Nach und nach trafen noch mehr Sippenmitglieder ein.
Die junge Kimmibel trat vor, und erzählte uns eine Geschichte. So richtig verstanden habe ich es nicht, da muss ich wohl noch einmal herumfragen, aber es hatte mit den Steinen zu tun. Ich war also tatsächlich nicht alleine ein Opfer dieser Dinger geworden. Anscheinend gab es sieben dieser Steine. Sieben. In manchen Kreisen wird das als eine magische Zahl angesehen, als eine Art Zahl mit Macht. Was ich davon halten soll, das weiss ich nicht. Auf jeden Fall schien die Zahl zu der Zeit einen Sinn zu ergeben.
Als dann kurze Zeit später Nanaisu zu uns stieß war mir irgendwie klar, dass nun alle Steinträger versammelt waren. Spätestens das Verhalten von Achas hätte meine Zweifel ausgeräumt. Sie verhielt sich unglaublich nervös und ihr Fell war und blieb gesträubt.
Als Herr Ceadric schließlich auftauchte und uns eine wilde Geschichte von ihm und Herrn Peotin erzählte und von einem Überfall auf die beiden und… Der kleine Kerl plapperte so schnell, ich kam kaum mit. Jedenfalls, es war erst einmal alles vergessen, hier galt es ein Leben zu retten. Da gab es kein Zögern. Schnell saßen alle im Sattel, und Ceadric zeigte uns den Weg.
Es ging quer durch das Breeland und hoch zu einer alten Ruine. Nicht irgendeine Ruine. Es war ausgerechnet der Ort, an dem ich mich tagelang versteckt hatte. Kann es so einen Zufall geben? Im nachhinein glaube ich, dass ich gerade noch rechtzeitig von dort geflohen bin. Als wäre dies genau der Sinn und Zweck meines Traums gewesen.
Aber ich scheife wieder ab. Der Weg zur Ruine hoch war nicht einfach. Da lag weniger an der Steigung als an den dutzenden von Zwilichtigen Gestalten, die uns auf dem Weg auflauerten. Wo kamen die nur alle her? So viele Schwarzwolds hatte ich noch niemals auf einem Haufen gesehen. Und sie gingen klug und organisiert vor, weniger wie eine Horde Räuber, eher wie eine kleine Armee.
Doch unsere eigene Horde war von etwas beseelt, was man nur als inneres Feuer bezeichnen kann. Es ist mir immer noch unbegreiflich, wie wir das alles durchgestanden haben, aber am Ende standen wir oben auf der Plattform der Ruine, und unsere Feinde lagen zerschmettert am Boden. Dachten wir jedenfalls.
Herr Peotin hatte ein kleines Säckchen dabei. So wie ich das verstanden habe, kamen die sieben Steine ursprünglich aus diesem Säckchen. Wie sie in unsere Hände gelangten, weiss ich nicht. Ich jedenfalls verspürte den Drang, den Stein wieder in den Sack zu legen. Und den Anderen erging es scheinbar ebenso. Doch spürte ich immer noch eine gewisse Anspannung, und auch das Summen in meinem Kopf hatte nicht nachgelassen.
Und tatsächlich, kaum waren die Steine alle beisammen, als der Beutel regelrecht zu explodieren schien. Eine Gänsehaut lief mir den Rücken hinunter, und ich wusste, dass sich irgendetwas dazu bereit machte, unter uns zu erscheinen. Ich versuchte, den Anderen eine Warnung zuzurufen, aber ich fühlte mich, als wäre ich in dickem Pudding gefangen. Die Hobbits würden diesen Vergleich sicher lieben, aber zu diesem Zeitpunkt war es einfach furchterregend. Rings um den zentralen Platz, auf dem wir uns aufhielten, loderten undurchdringliche Flammen empor. Der Himmel schien sich zu verfinstern. Seltsame Symbole leuchteten auf dem Boden auf. Sieben Symbole.
Aus den sieben Steinen gingen sieben Geister hervor. Und innerlich wusste ich, dass sie es waren, die in unseren Köpfen gewühlt und unsere Sippe ins Unglück gestürzt hatten. „Aaah… frei um wieder einmal zu beenden, was noch lange nicht beendet ist.“
Sie verhöhnten uns. Und aus ihren Worte entnahm ich, dass wir nicht die ersten waren, nicht die ersten sieben Opfer dieser Steine. Und nun wollten sie uns töten. Ich spürte einen Zorn in mir, wie ich ihn selten zuvor verspürt hatte. Plötzlich konnte ich mich wieder bewegen. Den Anderen schien es ähnlich zu ergehen. War es der Zorn, die Wut darüber, missbraucht worden zu sein? Irgend etwas gab uns die Kraft, den Kampf gegen unsere Gegner aufzunehmen.
Der Erste von ihnen fiel, doch noch immer verhöhnten Sie uns. Sie sprachen von einem Meister, was mir kalte Schauern über den Rücken laufen ließ. Gibt es dort draußen noch ein größeres und mächtigeres Wesen? Oder meinten sie am Ende gar den Meister, der im Osten sitzt und dessen Name wir nicht aussprechen?
Wieder und wieder hielten die Geister uns vor Augen, welchem Schicksal wir entgegengingen. Im Nachhinein betrachtet war dies wohl ihr Fehler. Sie schürten nur unsere Wut und unseren Willen, diese Geschichte zu überleben. Noch einer fiel, dann noch einer. Bleierne Müdigkeit machte sich in meinen Knochen breit. Der Kampf schien Tage zu dauern. Immer wieder loderten Feuerzungen zwischen uns auf. Und jeder der Geister setzte uns auf eine andere Weise zu. Während der eine es mir zum Beispiel beinahe unmöglich machte, in seiner Nähe meine Künste anzuwenden, rief ein anderer beständig weitere Geister zu seiner Verteidigung herbei. Es war mit Abstand der schlimmste Tag meines Lebens.
Schließlich war nur noch einer übrig. Wir waren in der Überzahl, doch machte uns die Müdigkeit schwer zu schaffen. Aber wir hielten durch, und wir schafften es. Ich weiss nicht wie, aber wir schafften es. Der letzte der Geister fiel. Erst jetzt schien dieser zu begreifen, auf welch verlorenem Posten er stand. „Das darf nicht sein! Niemand kann uns bezwingen!“
Es gab eine gewaltige Feuersäule – und das war es. Es war vorbei. Die Flammen verlöschten, der Himmel wurde wieder sichtbar und die Ruine badete im Licht der Sterne. Ich schloss die Augen und badete regelrecht in diesem Licht. Es war, als wäre ich neu geboren, und ich musste einfach lachen. Ich fiel nieder und lachte immer noch. Das Summen in meinem Kopf war verschwunden. Ich bin wieder frei, mein Kopf gehört wieder mir allein!
Schließlich widmete ich meinen Stab diesem Moment und gab ihm einen Namen. Angeblich vergrößtert man damit die Macht eines Stabes, doch mir ging es in erster Linie um die Erinnerung, die Erinnerung an diesen Tag und an einen Traum.
Doch steht da noch eine Frage im Raum, die mir keine Ruhe lässt.
Warum wir?