Das ist mir in meiner ganzen Zeit, die ich von meiner Heimat getrennt bin, noch nicht passiert.
Gestern ging eine, ich muss sagen recht große, Gruppe der Sippe Sonnenwind den Pfad zu Thorins Hallen entlang. Es hatte ein Einladung von einem Zwerg namens Garomur gegeben. Ich kannte die Details nicht genau, aber mir war nach einem Ausflug, und so zog ich mit. Während der Weg hinauf in den Norden recht angenehm war – vor allem Achas hatte ihre Freude an der kalten Luft – war der Empfang alles andere als herzlich.
Schon am unteren Tor wurden wir von Wachen aufgehalten. Die Zwerge sprachen von Sicherheit, Vorsicht und so weiter, und ihre Blicke uns gegenüber waren mehr als feindseelig. Oh, diese Undankbaren! Man sagt, ein Zwerg vergesse nie etwas, aber anscheinend ist ihr Gedächtnis kürzer als ihre Bärte! Wie viele aus der Sippe Sonnenwind haben schon den Zwergen zur Seite gestanden, überall im Land? Wie oft haben wir unser Leben riskiert, Seite an Seite mit den Söhnen Durins. Ich konnte es mir nicht erklären.
Schließlich ließ man uns ein, aber um es ehrlich zu sagen, von da an machte ich mir mehr Gedanken darum, ob wir auch wieder hinaus kommen sollten. Man führte uns in Thorins Halle – wohlgemerkt, es war mehr der Transport von Gefangenen. In der Halle selbst umringte man uns und hieß uns warten. Die Blicke, die man uns zuwarf, kann ich nicht beschreiben. Mordlust lag in der Luft, aber womit hatten wir das verdient?
Schließlich kamen drei weitere Zwerge hinzu, beritten, auf Ziegen. Reiten in der großen Halle! Wenn ich dies dem Herrn Mornur erzähle, wird er mich einen Spinner heißen und sich gegen seinen Helm tippen. Überhaupt wünschte ich, wir hätten ihn gestern dabei gehabt. Aber wie das so ist, es war unter uns natürlich kein einziger Zwerg. Vielleicht hätte dies einen Unterschied gemacht – vielleicht.
Es ging ein wenig hin und her, schließlich wurden drei von uns weggeführt, um mit dem obersten der Zwerge zu sprechen. Dann hieß man uns, die Waffen abzulegen. Das war vielen, und da schließe ich mich ein, nicht geheuer. Erst trennt man uns, dann sollen wir die Waffen ablegen? Natürlich trennte ich mich nicht von meinem Stab, an mein Schwert dachte ich (wie so oft) überhaupt nicht. Das fiel mir selbst erst später auf, und es erklärt auch die grimmigen Blicke einiger Zwerge. Interessanterweise sprach mich keiner von ihnen direkt darauf an, ab und zu knurrte oder brüllte mich einer an, aber auf dem Ohr bin ich sowieso taub. Wer die Würde des Alters nicht zu würdigen weiss… Aber ich schweife ab.
Es gab noch einigen Hickhack, so wollte Herr Silbion die Halle wieder verlassen, aber man ließ ihn nicht und drohte sogar mit Kampf und Tod. Das machte mich sehr zornig, haben wir denn nicht wesentlich größere Probleme? Ist Thorins Halle zu gut vor dem Geschehen in der Welt abgeschirmt? Sind denn alle verrückt geworden?
Wie auch immer, schließlich führte man uns durch die Halle („Bleibt auf dem Weg!“) und zu diesem Garomur. Er führte uns ein wenig abseits und weihte uns in eine Geschichte ein, irgendetwas über einen Brief… Doch an dieser Stelle war mein Interesse gleich Null. Es ist mir egal, und ich werde für diese Zwerge keinen Finger rühren, so lange wie Sonnenwind nicht direkt davon betroffen ist. Aber sollten wir durch diese Geschichte in Mitleidenschaft gezogen werden, so werde ich nach Thorins Halle gehen und ihre Bärte absengen, dass es eine Freude ist!
*Notiz, kleiner unten drunter*
Ich muss mal genauer fragen, was denn nun los war. Es fielen die Stichworte Yarna und Traum, und die Kombination dieser Wörter lässt mich nichts gutes erahnen.